Zu Besuch auf dem Hof der Zimmermanns in Münstertal

Veröffentlicht am 16.06.2018 in Kreisverband

Man muss es so sagen, es ist eines der Privilegien des Kreisvorstands, dass er sich in regelmäßigen Abständen die besten Orte des Landkreises ansehen darf. Dazu zählt an einem lauen Sommerabend ganz bestimmt auch der Biohof von Simon und Nadine Zimmermann in Münstertal.

Simon Zimmermann hat uns mit großer und absolut ansteckender Begeisterung seinen Milchbetrieb vorgestellt, den er im Nebenerwerb bewirtschaftet. Rund sechszehn Milchkühe nennt er sein eigen. Dazu kommen Ziegen, Hühner, Bienen und natürlich laufen auf dem Hof auch ein paar Katzen rum.

Den Betrieb hat er von seinen Eltern übernommen, die die Bewirtschaftung bereits vor gut zehn Jahren auf Bio umgestellt haben. Die Jungbauern leben diesen Ansatz und Simon Zimmermann berichtet durchaus mit Stolz, dass der letzte Antibiotikaeinsatz schon viele Jahre zurückliegt und ob einer ausgewachsenen Euterentzündung auch nicht zu vermeiden war.

Zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Betriebes gehören nach seinen Ausführungen eine Vielzahl an Maßnahmen. Diese haben letztlich zum Ziel, dass die Tiere zu einem möglichst hohen Anteil durch eigenerzeugtes Futter ernährt werden. Die Milcherzeugung gelingt nahezu ausschließlich aus dem Grundfutter. Dies heißt Gras, Silage und Heu und das kann nur erreicht werden, wenn sehr genau auf die Weiden und Wiesen geachtet wird. „Das letzte Jahr mit seinen späten Frosteinbrüchen war nicht nur für die Obstbauern schwierig. Auch uns fehlte 50% der Heuernte.“ meinte Simon Zimmermann dazu und berichtete von so mancher schlaflosen Nacht in der Sorge, dass es nicht genug Futter für die Tiere geben könnte. Ebenso berichtete er von seinen Strategien zur Weidebewirtschaftung. Die Kälber brauchen kurz gehaltene Wiesen, denn im kurzen Gras steckt viel Kraft. Die für das Mähen vorgesehenen Wiesen dürfen nicht zu oft und nicht zur falschen Zeit mit dem Traktor befahren werden, damit der Boden nicht zu stark verdichtet wird. Auch ist dort auf einen hohen Kleeanteil zu achten, während bestimmte andere Gräser zurückgedrängt werden müssen. Nur so kann der Zufütteranteil an Kraftfutter sehr niedrig gehalten werden. Bei der Diskussion um die neue Düngeverordnung wurde rasch deutlich, dass Gesetze, die in viehreichen Gegenden durchaus Sinn machen und notwendig sind, an der Lebensrealität kleinerer Höfe im Schwarzwald komplett vorbeigehen. Hier gibt es nicht das Problem, dass es zuviel Gülle für zu wenig Fläche gibt. Im Gegenteil muss der Betrieb seinen Dünger so effektiv wie möglich einsetzen, da die Menge gering ist und Kunstdünger im Bio-Betrieb nicht eingesetzt werden darf.

Bürgermeister Ahlers brachte die Probleme des erhöhten Siedlungsdruckes auch in Münstertal ins Spiel und berichtete, dass Simon Zimmermann ab dem nächsten Jahr auf eine einfach zu bewirtschaftende Wiese im Ortsbereich verzichten muss. Ein nicht zu vernachlässigendes Problem, stimmte Simon Zimmermann bei und nannte noch andere Flächenverluste, die es den Bauern immer schwerer machten. Die 190 Streuobstbäume, die als Ausgleichsmaßnahme angebaut wurden, sind zwar super, machen aber eben auch viel Arbeit.

Viele Landwirte im Schwarzwald setzen sich sehr für eine nachhaltige Landschaftspflege ein. Für Simon Zimmermann erledigen das rund zwanzig Ziegen, die er in den Steilhängen grasen lässt, wo eine Offenhaltung der Landschaft sonst nur mit sehr großem manuellen Einsatz machbar wäre. Seine Ziegen hat er ins Herz geschlossen. „Das habe ich lernen müssen: Ziegen sind tatsächlich vor allem im Vergleich zu den Kühen deutlich intelligentere Tiere.“ Die Kreisvorsitzende Birte Könnecke stimmte dem zu, merkte aber auch an, dass sie aus eigener beruflicher Erfahrung weiß, dass sie trotz (oder gerade wegen) hoher Intelligenz nur Unfug im Kopf hätten und Amtstierärzte regelmäßig beklauten.

Noch viele solcher Geschichten wurden ausgetauscht und natürlich wurde auch die Förderpolitik von Land und EU thematisiert. Letztlich sei es so, dass zwar viele Subventionsmittel in die Landwirtschaft fließen, dass aber dafür vor allem von den Kleinbetrieben des Schwarzwaldes auch viel für den Erhalt der Natur und der Kulturlandschaft zurückfließt. Bei vielen Betrieben in Industriegröße sei das eher nicht der Fall. Die Deckelung der Prämien wurde von daher befürwortet.

Unabhängig von diesen interessanten Einblicken in den Arbeitsalltag eines Biobauern war schon der Spazierweg am Hang hinter dem Hof an diesem wunderschönen Abend ein Traum und wir haben den atemberaubenden Ausblick hinunter ins Münstertal sehr genossen. Noch gesteigert wurde der Genuss jedoch im Anschluss bei unserer Kreisvorstandssitzung, die wir an Biertischen auf dem Hof abhalten konnten. Die eher trockenen organisatorischen Themen und die hitzigen politischen Diskussionen wurden von Nadine und Simon mit selbstgebackenem Bauernbrot, wunderbaren getrockneten Würsten von Simons Ziegen und eigenem Apfelsaft im wunderschönen Ambiente des Hofes versüßt.

Oswald Prucker, Birte Könnecke

 

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