Bericht von der Veranstaltung am Montag, den 11.Mai 2009 in Gundelfingen, Gasthaus Rößle
Bericht von der Veranstaltung am Montag, den 11.Mai 2009 in Gundelfingen, Gasthaus Rößle
Fragen über die zukünftige Energiegewinnung und –versorgung werden auch in Zukunft aktuell bleiben. Dabei werden einige Punkte wie etwa die Frage nach der Infrastruktur der Energieversorgung besonders intensiv diskutiert. Ob diese nun zentral oder dezentral strukturiert wird, ist dabei wohl einer der wichtigsten Aspekte. Das bedeutet aber auch, dass die Kommunen immer stärker in die Diskussion um die Energieversorgung eingebunden werden müssen. Hier zeigt sich erneut, dass die „großen Herausforderungen“ des 21. Jahrhunderts eben nicht nur Fragen der „großen Politik“ sind, sondern in den Kommunen sowohl spezifische Fragestellungen aufwerfen, als auch spezifischer Antworten bedürfen, also „vor Ort“ konkretisiert werden müssen.
Aus diesem Anlass veranstalteten die Gemeinderatsfraktion und der Ortsverein der SPD-Gundelfingen am Montag, den 11.Mai unter dem Titel „Kommunale Energieversorgung am Beispiel der Stadt Waldkirch“ einen Vortrags- und Diskussionsabend mit dem Waldkircher Oberbürgermeister Richard Leibinger. Als Gastreferenten hatte die Gundelfinger Sozialdemokratie den langjährigen Waldkircher Oberbürgermeister Richard Leibinger gewinnen können. Am Beispiel seiner Heimatstadt konnte der Referent die Chancen und Möglichkeiten kommunaler Energieerzeugung und –versorgung darlegen.
Hatte man in Waldkirch bereits 1983 begonnen, über kommunale Energieversorgungsprojekte nachzudenken, kam 1991 der Gedanke an eigene Gemeindewerke auf. Trotz einigen Widerstandes von Seiten der großen Energieversorger und übergeordneter Behörden, aber Dank der großen Einigkeit im Waldkircher Gemeinderat konnte Mitte der 1990er Jahre die Stromversorgung, im Jahr 2000 die Wasserversorgung und 2005 das Gasnetz in gemeindeeigene Hände übernommen werden. Die Waldkircher Bürgerschaft trug diese Maßnahmen sehr schnell mit breiter Mehrheit mit. Leibinger führte diesen Umstand auf die deutlich zu Tage tretenden Vorteile der Gemeindewerke zurück: Man könne günstige Preise offerieren, biete Service vor Ort und arbeite mit kurzen Wegen. Zudem könne man mit Energiearten wie Nahwärme oder Solarstrom auf die ökologische Einsichtigkeit rechnen.
Diesen strukturellen Neuanfang hatten die Waldkircher mit einem Konzept des kommunalen Energiemanagements verbunden. Im Ergebnis konnte OB Leibinger auf eine ganze Reihe von Erfolgen verweisen. So erzielte die Stadt Waldkich mit dem energetischen Umbau der öffentlichen Bauten innerhalb von 10 Jahren eine 60% Energieeinsparung. Neben der CO2-Einsparung gab und gibt es positive Effekte auf dem kommunalen Arbeitsmarkt und seit langen Jahren wird für die städtischen Wohnanlagen das Angebot der Energieberatung gemacht. Das nächste Ziel, so Leibinger, sei es, die Wasserkraft der Elz stärker zu nutzen. Zum Abschluss hob Waldkirchs Oberbürgermeister zwei Dinge noch einmal hervor. Zum einen habe das „Projekt Gemeindewerke“ auch deshalb von Beginn an so gut funktioniert, weil man neben der Einigkeit im Gemeinderat auch das Glück der richtigen Personen am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt gehabt habe. Zum anderen habe man auch immer über die eigenen Gemeindegrenzen hinausgeschaut und etwa die positiven Gundelfinger Erfahrungen mit ihren Gemeindewerken mit großem Interesse verfolgt.
In der anschließend lebhaft geführten Diskussion waren sich alle Beteiligten einig, dass man den Weg der Energieeffizienz und -einsparung weiter gehen müsse. Regenerative Energien oder solche aus Abfällen, allgemeiner die Stromversorgung vor Ort müssten weiter gefördert und ausgebaut werden. Richard Leibinger machte klar, dass man mit ungefähr 15% regenerativen Stromes diesen Anteil in Waldkirch zwar verzehnfacht habe, aber das sei noch immer zu wenig. Von Seiten der Gundelfinger Gemeindewerke konnte auf das Potential regenerativer Energien verwiesen werden: Gute 10% der Kunden nähmen den Gundelfinger „Umweltstrom“ ab.
Auf Anregung des Diskussionsleitenden Bruno Zimmermann, wie die Zukunft kommunaler Gemeindewerke aussehen könnte, gab der Waldkircher Oberbürgermeister am Ende der Veranstaltung einen persönlichen Ausblick. Angesichts enormer bürokratischer Hürden und immer kleiner werdender Gewinnmargen sei die gemeindewerkliche Zukunft mit Sicherheit eine schwierige. Andererseits gebe es die bereits erwähnten Erfolge. Darauf könne man aufbauen, indem kleinere Gemeindewerke passgenau an die jeweilige Gemeindesituation angeglichen würden. Kleinere Gemeindewerke könnten miteinander kooperieren – etwa mit gemeinsamen Maschinenparks und zudem dürfe man nicht vergessen, der Satz „global denken, lokal handeln“ sei ein zwingend gebotener Imperativ. So müsse transparent gemacht werden, welche Vorteile er biete, schließlich sei ein Nebenprodukt nachhaltigen Handelns ja auch, dass die Wertschöpfung vor Ort bleibe, Ökonomie und Ökologie sich also ergänzten. Dies, so Leibingers Schlusswort, führe im Endeffekt in den Kommunen sowohl zur vermehrten „Lebensqualität durch Nähe“, wie auch zur verstärkten Identität der Bürger und Bürgerinnen mit ihren Gemeinden.